Ziele, Lösungen und das eigentliche Problem

Gestern habe ich mal wieder „den Klassiker“ erlebt. Projektziele und Lösung wurden durcheinander gebracht.

Das war passiert: In dem Projekt (ein Teilprojekt eines größeren Gesamtprojekts) geht es um eine Produktionsverlagerung. Der Prozess des Hartdrehens einer Welle soll wegen Kapazitätsengpässen auf eine andere Drehmaschine verlagert werden, die ausreichend freie Kapazitäten hat. Der Produktionsleiter hatte dafür auch schon eine ganz bestimmte Maschine im Blick.

Ein kleines, überschaubares Projekt mit überschaubaren Randbedingungen. Keine Komplexität. Im Kick-Off Meeting, in dem wir die Arbeitspakete, Verantwortlichkeiten und das Vorgehen abstimmen wollten, habe ich sehr schnell die Unzufriedenheit der Kollegen zu spüren bekommen. Auf Nachfrage stellte sich heraus, dass die Maschine als untauglich für diesen Fertigungsprozess angesehen wird. Die einhellige Meinung: Zu alt, sehr häufige Störungen, Ersatzteilprobleme.

Klarer Fall von Vermischung von Ziel und Lösung. Klarer Fall von „Problem nicht ernst genommen“.

Jetzt wollen wir das Projekt nochmal starten. Und zwar in dem Sinne, dass wir wirklich Problem, Ziel und Lösung trennen und jeden Schritt abarbeiten.

Das Problem
Ursache ist ein Kapazitätsengpass auf einer Drehmaschine durch höhere Kundenabrufe eines bestimmten Produkts, sagen wir einfach mal Produkt A dazu. Die Drehmaschine kann dieses Produkt sehr stabil bearbeiten. Wenn die Bearbeitung von Produkt B auf eine andere Maschine verlagert wird, reicht auch die Kapazität. Das Problem ist also: Kapazitätsengpass.

Das Ziel
Dieser Kapazitätsengpass ist aufzulösen. Das übergeordnete Ziel ist es, die höheren Kundenabrufe des Produkts A zu bedienen und gleichzeitig Produkt B in der notwendigen Menge fertigen zu können. Aus technischen Gründen bleibt Produkt A auf der bisherigen Maschine.
Damit ergeben sich das Leistungsziel: Produkt B soll auf eine andere Drehmaschine.
Das Ziel lautet also NICHT, auf eine ganz bestimmte Ausweichmaschine zu gehen, sondern die Fertigungskapazität für Produkt B sicherzustellen (natürlich mit den gegebenen Qualitätsanforderungen, Herstellkosten etc.).

Die Lösung
Nimmt man Projektarbeit ernst, dann gibt man dem Team den Auftrag, für das Ziel eine Lösung oder Lösungsoptionen zu erarbeiten. (Im zweiten Fall muss erst über die Optionen entschieden werden, bevor das Team die konkrete Planung und Umsetzung angehen kann.) Die Lösung lautet dann ungefähr: Produkt B soll auf Maschine XY gefertigt werden.

Konkret gehen wir in diesem Projekt also zweistufig vor. Schritt 1: Zuerst werden mögliche Optionen betrachtet und bewertet. Es entsteht eine Matrix, in der jede Option nach Kriterien beurteilt wird. Viele Optionen scheiden sofort aus. Wenn mehrere machbare und sinnvolle Optionen übrige bleiben, muss entschieden werden.

Erst dann, erst wenn die Lösung klar ist, kann die Planung und Umsetzung beginnen. Werkzeuge, Arbeitspläne, CNC-Programm, Materialfluss und Logistik, Bedienpersonal, eben die ganze Themen, die in so einem Projekt relevant sind.

Wie gesagt, ein kleines Projekt, überschaubarer Umfang, bekannte Aufgaben. Vielleicht kompliziert, aber sicher nicht komplex. Aber eben nur dann, wenn man richtig startet und die Problemstellung, das Ziel und die Lösung sauber trennt. Gerade in kleinen Projekten laufen wir immer wieder Gefahr, den zweiten Schritt vor dem ersten zu tun. Und fallen dann auf die Nase. Vermeiden wir das doch lieber.

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