Ressourcenmanagement und die schöne, neue Projektwelt

Ressourcenmanagement auf einer Großbaustelle

Ist Ressourcenmanagement böse? Quelle Flickr: jphintze (CC BY-SA 2.0)

Manchmal habe ich den Eindruck, dass man sich schon ins Abseits manövriert, wenn man das Wort „Ressourcenmanagement“ benutzt. Zumindest dann, wenn man dabei von Menschen im Sinne von Ressourcen spricht. Es stimmt schon, es hat etwas „frühkapitalistisches“, von Menschen als Ressourcen zu sprechen.

Es gibt, mal ganz vereinfacht gedacht, zwei Möglichkeiten, den Begriff zu vermeiden. Entweder man spricht einfach inhaltlich nicht mehr darüber, oder wir finden einen alternativen Begriff. Allerdings habe ich bisher noch keinen Begriff gehört, der die Bedeutung trifft und „in der Szene“ verstanden wird.

Könnten wir denn nicht auf Ressourcenmanagement generell verzichten? Dann müssten wir auch nicht mehr dieses Wort verwenden, das bei Manchen einen solch schalen Beigeschmack auslöst. Sicher, in vielen Projekten spielt das „klassische“ Ressourcenmanagement, wie es in den Standard-PM-Trainings vermittelt wird, kaum eine Rolle. Es wird nicht angewandt, weil es nicht funktioniert oder weil es nicht gebraucht wird.

In Organisationsprojekten, ein Projekt zur Prozessoptimierung in der Logistik zum Beispiel, kommt man nach meiner Erfahrung mit Ressourcenmanagement nicht weit. Ebenso in Beschaffungsprojekten, zum Beispiel der Anschaffung einer neuen Maschine. In solchen Projekten ist der Projekterfolg meist nicht von Ressourcenmanagement abhängig. Im Gegenteil: Der Versuch, die Projektmitarbeiter über das klassische Ressourcenmanagement in das Projekt zu bekommen, befördert Ablehnung und manchmal auch Unverständnis. Natürlich müssen Menschen für die Mitarbeit in Projekten von ihrer Linienorganisation freigestellt werden. Aber funktionieren wird das Projekt nur, wenn die Menschen von den Zielen des Projektes überzeugt sind und sich mit Inhalten und Vorgehen identifizieren. Stichwort: Motivation.

Und dennoch: Es gibt halt immer noch klassische Projekte und Projektumgebungen, in denen Ressourcenmanagement sehr viel Sinn macht und schlicht notwendig ist. In Bauprojekten müssen die Gewerke zeit- und abfolgeabhängig eingeplant werden. In großen Produktentwicklungsorganisationen müssen Entwickler den verschiedenen Projekten zugeordnet werden. Und Aufwand, Kapazitäten und Dauern müssen geplant und organisiert werden.

Projektarbeit ist pragmatisch, wenn sie erfolgreich sein soll. Es nützt nichts, Methoden grundsätzlich zu verteufeln, weil Begriffe oder Methoden als frühkapitalistisch oder dem modernen Menschenbild unangebracht betrachtet werden.

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