Geht das überhaupt? Die Machbarkeitsanalyse

In technischen Projekten stellen sich in frühen Projektphasen oft Fragen nach der Technologie. Wie sollte die Software entwickelt werden? Besitzen wir dazu das Know How? Können wir die geforderten Produktmerkmale überhaupt fertigen? Wie kann das Produkt am günstigsten gefertigt werden? Die Machbarkeit eines Projekts ist aber nicht nur technisch bedingt. So kann zum Beispiel auch unklar sein, ob es einen Lieferanten gibt, der Güter oder Informationen in einer bestimmten Frist oder zu sonstigen relevanten Bedingungen liefern kann.

Machbarkeitsanalysen beschäftigen sich meist mit der Vereinbarkeit von Zielen. Die Durchführung einer Machbarkeitsanalyse ist also der Klärung der Projektziele nachgeordnet. Die Projektziele für ein neues Produkt beschreiben (u. a.) die Anforderung an das Produkt und dessen Herstellung. Die Ziele wären zum Beispiel eine Taktzeit von 1 Minute für den Herstellungsprozess sowie bestimmte Anforderungen an Material und die Spezifikation des fertigen Produkts (Maße, Toleranzen, Oberflächenbeschaffenheiten usw.). Die Machbarkeitsanalyse soll die Frage beantworten, ob diese Ziele vereinbar, also gleichzeitig erreichbar sind. Im selben Zusammenhang stellt sich natürlich sofort die Frage nach der Wirtschaftlichkeit und den Risiken. Häufig finden sich technische Lösungen am Markt, diese sind aber vielleicht sehr teuer oder brandneu und nicht ausgereift.

Es gibt in den Projektmanagement-Lehrbüchern zwei Ansätze für Machbarkeitsstudien. Die einen beschränken sich auf die technische Machbarkeit, die Analysen zur Wirtschaftlichkeit und zur Risikoabschätzung werden separat dokumentiert. Die Zweiten fassen in der Machbarkeitsstudie alle drei Punkte zusammen.

Wenn in einem Unternehmen oder in einem konkreten Projekt die Durchführung des Projektes vom Ergebnis der Machbarkeitsstudie abhängen, dann halte ich es für sinnvoll, die drei Punkte Technik, Wirtschaftlichkeit und Risiken zusammenzufassen.
Manchmal werden in Fachartikeln auch ganze Geschäftspläne als Machbarkeitsstudie benannt. Dann gehören folgerichtig auch Aspekte wie Markt- und Wettbewerbsanalysen und Kundensegmentierung dazu. Dieser Meinung kann ich mich nicht anschließen. Ein Geschäftsplan mag zwar eine Machbarkeitsstudie beinhalten oder darauf verweisen, ist jedoch etwas ganz anderes.

 

Wie oben beschrieben müssen die Ziele geklärt und mit dem Projektauftraggeber oder Kunden abgestimmt sein. Die Projektbeteiligten erkennen meist recht früh den Bedarf für eine notwendige Machbarkeitsanalyse. Die Untersuchung der technischen Machbarkeit ist natürlich mit zeitlichem und finanziellem Aufwand verbunden. Da meist Mitarbeiter mit ganz bestimmtem Wissen, die berühmten Fachexperten, mitarbeiten müssen, kann es schnell zu personellen Engpässen kommen. Denn die Fachexperten sind oft recht gefragt im Unternehmen. Daher müssen der Aufwand und die benötigte Zeit im Projekt eingeplant und kostenseitig bewertet werden.

Ebenfalls sehr wichtig ist ein klarer Auftrag für die Person oder die Gruppe, die mit der Studie beauftragt wird. Was genau ist zu untersuchen? Wie grenzt sich die Fragestellung exakt ab? Und: Es soll kein Detailkonzept ausgearbeitet werden, das kommt später. Die Erwartungshaltung muss also geklärt werden. Gerade die Techniker tun sich oft schwer damit, auf einem gewissen Abstraktionslevel zu bleiben und nicht in unnötige Details abzutauchen. (Wobei zugegebener Maßen die Kunst genau darin liegt, die notwendigen von den unnötigen Details zu unterscheiden.) Ebenfalls geklärt gehört die Form des Ergebnisses. Wollen wir eine Präsentation, eine schriftliche Analyse mit allen Anlagen und Ergebnissen mit mindestens 50 Seiten oder eine maximal zweiseitige Zusammenfassung?

Das Ergebnis einer Machbarkeitsstudie ist je nach Bedeutung für das Gesamtprojekt einen Meilenstein wert. Denn nachfolgende Vorgänge hängen von dessen Ergebnis ab. Ganz wichtig finde ich auch die schnelle Kommunikation der Ergebnisse. Denn hier wird ja viel wertvolles Wissen aufgebaut, das sich lohnt, schnell an den relevanten Personenkreis weiterzugeben.

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