Kompetenzaufbau für Projektleiter in internationalen Projekten

Gestern (10.3.2015) fand ein Vortrag der GPM Region München zu dem o. g. Thema statt. Im Kern ging es um die persönlichen Kompetenzen, die Projektleiter in internationalen Projekten brauchen. (Weitere, eher fachliche Kompetenzen, die ein PL in einem internationen Umfeld unbestritten ebenso benötigt, wurden von den Referenten zwar kurz genannt, aber nicht vertieft.) Was bei mir hängengeblieben ist, sind zwei Schwerpunkte: Zum einen kulturelle Unterschiede und der Umgang damit, und zum anderen das Arbeiten in verteilten Teams und die daraus entstehenden Schwierigkeiten.

a) Kulturelle Unterschiede

Die Referentin Line Jehle (perform globally GmbH) hat sehr anschaulich beschrieben, was so alles schief gehen kann, wenn ein deutscher, ein französischer und ein chinesischer Projektmitarbeiter zusammenarbeiten. Die Sprache ist Englisch. Das Verständnis unterschiedlich. Frau Jehle hat das an der unterschiedlichen Bedeutung des Wortes Decision beschrieben. Für den Deutschen heißt das typischerweise: „endgültig“, „so machen wir das“, „keine weitere Diskussion“. Für die Projektkollegen aus anderen Ländern ist das aber gar nicht so. Deshalb gibt es ja auch den Ausdruck „final decision“. Und so geht das munter weiter.

Aber was macht man denn jetzt damit? Soll der französiche Kollege deutsche Sitten, Werte und Geräuche annehmen, also irgendwie deutsch werden? Oder der deutsche chinesisch? Klare Aussage der Referenten: Nein, funktioniert nicht. Was aber funktioniert: Lernen, wie andere ticken und die Achtsamkeit und Aufmerksamkeit entwickeln, unterschiedliches Verstehen zu erkennen. Das heißt auch: So kommunizieren zu lernen, um Verständnisunterschiede transparent zu machen. Diese Transparenz ist die Voraussetzung, eine gemeinsame Sprache in einem Team entwickeln zu können. Also: Was heißt in unserem Team „decision“, was heißt „task“, was „to be responsible“, „to be accountable“ und so weiter.

Frau Jehle hat das anschaulich beschrieben: „Kunden kommen zu mir und wollen wissen, wie sie es anstellen sollen, dass sich die chinesischen Projektmitarbeiter so verhalten wie deutsche. Aber das funktioniert nicht.“

b) Arbeiten in verteilten Teams

Hier gab es nicht viel wirklich Neues. Schwierigkeiten in der Kommunikation in verteilten Teams, es fehlt Mimik und Gestik, in der Kommunikation per E-Mail oder Chat auch die Phonetik. Aber die Referentin hat es geschafft, sehr unterhaltsam und eindrücklich in einer kurzen Übung klar zu machen, welche gravierenden Auswirkungen das haben kann. Bis hin zu einer völlig verschiedenen Auffassung, was die Ziele des Projektes sind.

In der kurzen Übung haben immer zwei Personen mit Person A und Person B ein Team gebildet. Erst haben alle „A-Personen“ ein Bild, den Projektauftrag, zu sehen bekommen, dann alle „B-Personen“. Und dann nochmal alle gemeinsam. Die Zweierteams sollten dann das Bild gemeinsam malen. Klar, der Trick waren diese Bilder, in denen man zwei Dinge sehe kann. Unser Gehirn sieht aber erstmal nur eines. Der Gruppe A wurde das Bild so gezeigt, dass die Wahrnehmung des Inhalts A nahelag, vice versa Gruppe B. Der Effekt bei den Teilnehmern war wirklich nachdrücklich.

Und sonst so?

Ansonsten ging es viel um die Inhalte des Studienprogramms Internationales Projektmanagement an der Hochschule Nürtingen/Geislingen. Der zweite Referent, Prof. Dr. Scheurer, ist Dekan für diesen berufsbegleitenden Studiengang. Prof. Scheurer hat also noch berichtet, wie der Kurs aufgebaut ist und welche inhaltlichen Schwerpunkte vermittelt werden. Dieser Teil wirkte auf mich ein bisschen werbemäßig. Die Studiengebühren belaufen sich auch auf schlappe 27.000 Euro, da ist ein bisschen Werbung vielleicht notwendig.

Trotzdem: Alles in allem ein gelungener Abend, kurzweilig, interessant, mit einigen neuen Perspektiven auf das Thema internationale Zusammenarbeit.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.