Fehlerkultur – aus Fehlern lernen

Irgendwie behauptet ja jedes Unternehmen, eine positive Fehlerkultur zu haben. Wirklich erlebt habe ich das aber noch nie. Das waren Lippenbekenntnisse. Die einzigen Ausnahmen waren immer von Personen, meist Führungskräften, initiiert und vorgelebt. Bisher nirgendwo habe ich ein Unternehmen erlebt, das einen definierten, installierten und gelebten Prozess zum Umgang mit Fehlern hatte.
Dabei ist uns doch in der Theorie klar: Nachdem ein Fehler geschehen ist, lohnt es sich häufig nachzuschauen, warum das passiert ist und was geändert werden könnte, um eine Wiederholung zu vermeiden.
Eine positive Fehlerkultur dient also dazu, ein System, einen Prozess, eine wiederkehrende Tätigkeit oder was auch immer ROBUSTER zu machen.
Eigentlich trivial. Trotzdem: Warum gibt es keine (oder zumindest kaum) gelebte Fehlerkultur? Und: Kann man das ändern? Dazu passt sehr gut ein Artikel aus dem ZEIT-Magazin (Ausgabe 1/2014 vom 27. Dezember 2013) mit dem Titel „Scheitern als Chance?“ von Christoph Kucklick. Der Teaser liest sich so: „Durch Fehler lernt man. Erst das Scheitern macht erfolgreich. Klingt beruhigend – stimmt aber leider nicht.“ Das Essay ist wirklich lesenswert und auch sehr gut geschrieben, wie ich finde. (Es ist leider nicht online verfügbar.)
Aus Schaden wird man klug, heißt es ja auch. Auch das ist kritisch zu hinterfragen. In dem o. g. Artikel wird eine Untersuchung erwähnt, nach der gescheiterte Unternehmensgründer und erfolgreiche Unternehmensgründer bei weiteren Unternehmungen verglichen werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass die gescheiterten Gründer wieder scheitern ist größer als bei den erfolgreichen. Es gibt weitere, ähnliche Untersuchungen, die diese Beobachtung unterstützen. Die Ursachen:

1. Erfolg und Misserfolg hängen stärker von Zufällen ab als vom Lernen
2. Die Ursachen von Erfolg und Misserfolg werden in dem meisten Fällen gar nicht erkannt, da die kausale Abhängigkeiten zwischen den einzelnen Faktoren so groß sind, dass diese nicht isoliert werden können. Wir wissen also nicht, warum wir gescheitert sind oder erfolgreich waren. Dann werden aber Verhaltensweisen wiederholt – und damit steigt die Wahrscheinlichkeit der Wiederholung.
Was folgt daraus für den Anspruch der Fehlerkultur und lernenden Organisation?
Weitermachen in dem ständigen Bemühen, eine positive Fehlerkultur zu verankern und die Organisation mit deren Menschen permanent besser zu machen. Denn Management hat nur zu einem gewissen Anteil mit dem individuellen Verhalten der Menschen zu tun. Der andere Anteil sind Strukturen, also Regeln, Prozesse etc. Und diese lohnt es immer weiter zu verbessern. Verbessern kann ich die aber nur, wenn ich konkrete Probleme lösen muss oder mögliche Fehlerquellen eliminieren möchte. Und das ist es, was eine offene Fehlerkultur leisten kann. Möglichkeiten zur permanenten Verbesserung öffnen. Das sollten wir nutzen.

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