Das Wesen und Unwesen von Meilensteinen

Meilenstein CC BY-SA 2.0 flickr.com von Bods

CC BY-SA 2.0 von Andrew Bowden (Bods, flickr.com)

Eine pfiffige Idee: Meilensteine. Entlang den Wegen wurden in regelmäßigen Abständen Steine aufgestellt, um dem Reisenden einen Hinweis auf die zurückgelegte Strecke und die verbleibende Entfernung zum Zielort zu geben.

Wir haben die Angewohnheit, den Weg mal schnell aus dem Fokus zu verlieren, wenn wir abgelenkt sind. Wir unterhalten uns angeregt mit unserem Reisegefährten, oder wir verfolgen irgendeinen wichtigen Gedanken. Wenn der Weg wieder ins Zentrum des Bewusstseins rückt, müssen wir uns erst mal orientieren. Dann ist es gut, wenn es Wegmarken gibt, die diese Orientierung bieten. Meilensteine sind sogar noch besser als Wegmarken. Sie liefern nicht nur die Information, dass ich mich auf dem richtigen Weg befinde, sondern welche Strecke ich zurückgelegt habe.

In Projekten werden Meilensteine als Werkzeug oft ziemlich vernachlässigt, finde ich. Richtig eingesetzt haben Meilensteine als Orientierung im Projekt einen sehr großen Nutzen. Meistens werden Meilensteine lediglich eingesetzt, um wichtige Ereignisse anzuzeigen, die sowie eintreten. Eine Maschine wird geliefert, ein Rohbau abgeschlossen, ein Software-Release an den Systemtest übergeben. Diese Art der Meilenstein-Messung ist eher ein Informationspunkt. Alles, was ich damit messen kann, ist ein Terminverzug. Wenn überhaupt. Dabei ist ein Meilenstein ein wesentliches Steuerungs- und Qualitätssicherungsmittel im Projekt, wenn der Meilenstein entsprechend definiert wird:

  1. Mit einem Meilenstein kann ich prüfen, ob ich auf dem richtigen Weg bin
  2. Der Meilenstein zeigt mir, ob ich tatsächlich bereits diese Wegstrecke zurückgelegt habe
  3. Zusammen mit der Zeit gibt mir der Meilenstein Auskunft, wie schnell ich unterwegs bin und ob ich wohl rechtzeitig ankomme

Die ersten beiden genannten Punkte werden viel zu oft nicht genutzt. Dabei geht es darum, den Meilenstein mit mehr als einem Termin zu definieren. Mit den Ergebnissen eben, die zu diesem Meilenstein erbracht sein müssen.

Ein Meilenstein wäre, um ein Beispiel von oben aufzugreifen, nicht die Lieferung einer Maschine, sondern deren Abnahme. Die Abnahme kann nur erteilt werden, wenn die entsprechenden Kriterien wie Funktion, Taktzeiten, Qualitätskriterien, Werkzeugrüstzeiten und so weiter erreicht werden.

Erst, wenn der Meilenstein in diesem Sinne eingesetzt wird, also zur Messung von Zwischenergebnissen, hilft er, die zurückgelegte und die verbleibende Strecke im Projekt abschätzen zu können. Hier wird nach meiner Erfahrung leider allzu häufig geschludert. Kriterien für das Erreichen eines Meilensteins werden ignoriert. Eine Software wird mit einer unzureichenden Qualität an den Systemtest übergeben und gehofft, dass die Qualität in die Software hineingetestet werden kann. Was meistens nicht funktioniert. Die Rache folgt auf dem Fuß. Wenn leichtfertig Meilensteine als erreicht erklärt werden, werden Probleme kaschiert, die Meilensteintrendanalyse wird geschönt und notwendige Arbeiten verschleppt. Spät erkannte Projektverzüge und teure Nacharbeiten sind die Quittung.

Neben der gründlichen Erarbeitung der Arbeitspakete gehört für mich eine solide Meilensteindefinition mit klaren Abnahmekriterien zu den Grundelementen der Projektplanung und ist eine Voraussetzung für eine erfolgreiche Projektsteuerung. Pingeligkeit zahlt sich in diesem Fall aus, will man nicht ziemich orientierungslos umherirren.

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