Autofahren und Projektleitung?

Richtiges Fahren und richtiges Führen, auch in Projekten, haben einige Gemeinsamkeiten: Regeln, im übertragenene Sinne PM-Methoden und Führungsinstrumente anwenden, hilft ungemein!

Sich an Regeln halten hilft – im Straßenverkehr und bei Führungsaufgaben
flickr.com trombone65 (CC BY-ND 2.0)

Letztes Wochenende bin ich mit einem Bekannten im Auto mitgefahren. Ein Erlebnis der besonderen Art. Und zwar deshalb, weil der Bekannte ansonsten ein eher ruhiger, besonnener Mensch ist, der durchaus auch sein Handeln reflektiert. Mit ungefähr 50 Jahren auch kein Jungsporn. Aber hinter dem Steuer: wie ausgewechselt. Ungeduldig, unnachsichtig, intolerant. So könnte man die Eigenschaften, zugegeben etwas überspitzt, vielleicht zusammenfassen.

Ich habe dann (beim Joggen heute früh) so vor mich hin überlegt, wie das sein kann, dass ein und derselbe Mensch ein so unterschiedliches Verhalten zeigen kann. Und was das für uns als Führungskraft, als Projektleiter bedeutet.

Ich glaube, zwei Dinge spielen hier eine Rolle: Unser Verhalten reflektiert sehr oft gelerntes Verhalten. Vielleicht hat der Bekannte gelernt, beim Autofahren aggressiv sein zu müssen, um sein Ziel zu erreichen. (Dass dem nicht so ist, lasse ich mal außer Acht.) Also wiederholt er dieses Verhalten, denn scheinbar funktioniert es ja. Zum anderen fehlt vielleicht beim Autofahren die soziale Kontrolle. Wenn ich ein Kollege oder gar der Vorgesetzte gewesen wäre, hätte das gezeigte Verhalten bestimmt anders ausgesehen.

Was das mit der Führungsaufgabe eines Projektleiters zu tun hat? Für mich bedeutet es, dass ich mich nicht auf Intuition und Spontaneität verlasse, sondern auf Führungsinstrumente, die ich lernen und (hoffentlich) permanent verbessern kann. Diese Basisdinge eben, wie Fragetechniken, Moderationstechniken, Feedback-Techniken und ähnliches. Das ist zwar mühsam, aber (immer wieder aufs Neue überraschend) sehr wirkungsvoll.

Es macht einen riesigen Unterschied, ob ich einem Mitarbeiter im Projektteam ein konstruktives Feedback gebe (nach den bekannten Feedback-Regeln), oder ihn vor dem versammelten Projektteam persönlich kritisiere. Das stelle ich bei mir selbst fest, und ich höre es immer wieder von anderen Projektleiterinnen und Projektleitern. Man muss es nur tun.

Mit dem Tun ist es allerdings so eine Sache. Neulich habe ich gelesen, dass Führungskräfte in drei von vier Fällen eine Sachaufgabe einer Führungsaufgabe vorziehen. Dass sich Führungskräfte also lieber mit technischen Problemen beschäftigen oder eine Excel-Tabelle ausfüllen als mit ihren Mitarbeitern zu sprechen. Eine traurige Wahrheit, finde ich.

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