Archiv für den Monat: Dezember 2014

Lessons Learned der besonderen Art: Zwei Stunden Jammern!

Gestern durfte ich als Beobachter an einem Lessons Learned Workshop teilnehmen. Ich war, im Nachhinein betrachtet, sehr froh, dass ich in der Besprechung keinen aktiven Part hatte. Es war interessant zu beobachten, was passiert, wenn keine Agenda vorhanden ist und eine solche Runde nicht straff moderiert wird.

Alle jammerten. Und die meistverwendete grammatikalische Form war der Konjunktiv: müssten, hätten, sollten, könnten.

Es kam mir vor, als wäre diese Besprechung ein willkommenes Ventil, um aufgestauten Frust los zu werden. Weiterlesen

Ziele, Lösungen und das eigentliche Problem

Gestern habe ich mal wieder „den Klassiker“ erlebt. Projektziele und Lösung wurden durcheinander gebracht.

Das war passiert: In dem Projekt (ein Teilprojekt eines größeren Gesamtprojekts) geht es um eine Produktionsverlagerung. Der Prozess des Hartdrehens einer Welle soll wegen Kapazitätsengpässen auf eine andere Drehmaschine verlagert werden, die ausreichend freie Kapazitäten hat. Der Produktionsleiter hatte dafür auch schon eine ganz bestimmte Maschine im Blick.

Ein kleines, überschaubares Projekt mit überschaubaren Randbedingungen. Keine Komplexität. Im Kick-Off Meeting, in dem wir die Arbeitspakete, Verantwortlichkeiten und das Vorgehen abstimmen wollten, habe ich sehr schnell die Unzufriedenheit der Kollegen zu spüren bekommen. Auf Nachfrage stellte sich heraus, dass die Maschine als untauglich für diesen Fertigungsprozess angesehen wird. Die einhellige Meinung: Zu alt, sehr häufige Störungen, Ersatzteilprobleme.

Klarer Fall von Vermischung von Ziel und Lösung. Klarer Fall von „Problem nicht ernst genommen“. Weiterlesen

Das PM Camp in Dornbirn – macht Spaß und mehr…

Zum zweiten Mal habe ich das PM Camp in Dornbirn besucht. Es gibt ja mittlerweile, so habe ich gelernt, mehrere dieser PM-Camps, die alle nach demselben Schema veranstaltet werden, so in Berlin, Zürich und einigen anderen Städten.

Es war auch dieses Mal wieder sehr bereichernd. Nette Kontakte, eine entspannte Atmosphäre und viele interessante Veranstaltungen. Mein Fazit: Hat sich auf jeden Fall gelohnt!

Das spannende für mich ist, dass Projektmanagement außerhalb der klassichen Grenzen diskutiert wird. Dass Facetten besprochen werden, die sonst kaum Platz haben. Dass Gedanken geäußert werden, die man sonst vielleicht nicht so diskutieren würde (weil: zu unorthodox).

Leute, die finden, dass sie ein diskussionswürdiges Thema haben, schlagen dieses für eine Session vor. Jede Session dauert 45 Minuten. Die Sessions sind keine Vorträge oder Präsentationen im klassischen Sinn. Sie sind das, was der Initiator daraus macht. So hat ein Teilnehmer beispielsweise eine Fragestellung aus seinem Projekt zur Diskussion gestellt, ohne dass er eine Lösung parat gehabt hatte, die er präsentieren konnte. In der Diskussion wurden verschiedene Ansätze entwickelt, wie man in der konkreten Situation vorgehen könnte.

Es gibt Gedanken, die geäußert, bewertet, abgewogen, verworfen, verändert werden. Sodass jede/r TeilnehmerIn für sich mitnimmt, was man selbst anwenden oder gebrauchen kann. Oder eben nicht. Jede Session ist einzigartig, sie lebt von den Teilnehmern mindestens so sehr wie von dem Initiator. Die ganze Veranstaltung lebt also einzig davon, was für Themen und Diskussionen die Teilnehmer mitbringen. Ich habe Sessions besucht, wo ich im Nachhinein festgestellt habe, dass ich damit nichts anfangen konnte. Aber eben auch anders herum. Einfach spannend, und immer wieder überraschend.

Entspannt, unkonventionell, einfach anders. Und nächstes Jahr bin ich bestimmt wieder dabei.

Das einzige, was mich ein bisschen gestört hat, war der hohe Wiederholungsgrad. Viele Teilnehmer habe ich von dem Vorjahres-Camp wiedergetroffen. Und so waren auch viele Themen ähnlich. Da hatte ich dann doch das eine oder andere Mal das Gefühl, dieser Teil der PM-Community kocht bisweilen im eigenen Saft. Dennoch: Es gab genug Neues für mich zu hören und zu diskutieren, dass ich den Besuch in jedem Fall lohnend fand.

P. S.: Und schließlich: Man gehört ja auch einfach auch gern zu einer Gruppe von Leuten, die ähnlich denken. Mir geht es jedenfalls so. Gehört für mich zum Wohlfühlen dazu.